Der Gedankenspieler

Klappentext

Peter Härtlings letztes Buch: ein bewegender Roman über das Alter, die Freundschaft und die Einsamkeit.

Johannes Wenger, ein achtzigjähriger alleinstehender Architekt, ist gestürzt und seither auf den Rollstuhl und Pflege angewiesen. Das kratzt an seinem Selbstbild, macht den Alltag mühsam und lässt viel Raum für Einsamkeit und Wehmut. Sein junger Hausarzt Dr. Mailänder jedoch hält dagegen und Wenger am Leben, holt ihn zurück in die Welt und lädt ihn mit seiner Familie zu einem gemeinsamen Osterurlaub ein. Wie der grantige Alte auf diese Einladung reagiert, ist meisterhaft erzählt. Und was alles geschehen kann, wenn man mit einem kauzigen Rollstuhlfahrer, der gedanklich in ständigem Austausch steht mit historischen Figuren wie den Architekten Karl Friedrich Schinkel oder Mies van der Rohe, an den Strand von Travemünde reist, ist ein großes Leseerlebnis voller Komik und Melancholie.

Mit viel Gefühl, genauem Blick und voller Selbstironie nimmt Härtling seine Leser mit in die Mühsal des Alters, die sich auch in seinen Träumen spiegelt, um deutlich zu machen, welch großes Glückspotenzial auch diese Lebensphase besitzt.

Bild von @frankenfrosch via Instagram

Meine Meinung zum Titel

Peter Härtlings Buch 'Der Gedankenspieler' erzählt vom letzten Lebensabschnitts Johannes Wenger, der alt, einzelgängerisch und nicht immer freundlich zu seiner Umwelt ist.

In den letzten Jahren fluteten zu diesem Thema viele Bücher auf den Markt. Häufig mit Humor, Sarkasmus oder mit viel Betroffenheit ausgestattet. Peter Härtling braucht nichts davon. Er erzählt poetisch und wortgewandt, wie sein Protagonist sich seinem Alter, seinen Krankheiten, seinem Verfall und seinen div. Pflegekräften stellt. Ohne Jammern oder Bedauern, es ist wie es ist. Hier wird nur ganz wenig Rückschau aufs vergangene Leben gehalten. Obwohl Johannes ein eingefleischter Einzelgänger ist, gibt es einen Freund, seinen Hausarzt Dr. Mailänder. Dieser holt ihn ab und an raus und in die Welt. Mailänders Tochter entwickelt eine besondere Beziehung zu Opa Hannes.

Er, der nie so recht gelernt hat, sich Menschen mitzuteilen, verfügt über die Gabe, Dinge schriftlich beschreiben zu können. Und immer, wenn ihm etwas bewegt, denkt er sich Briefe an imaginäre oder lebende Personen aus und erzählt. Einen solchen Brief schreibt er auch an die Tochter seines Freundes. Eine tiefgehende Geschichte, die über das Alterwerden und über Freundschaft erzählt. Die sicher zum Innehalten und Nachdenken verführt. Markus Hoffmann liest ruhig und besonnen mit einem Timbre in der Stimme, das einem nicht loslassen möchte.

Man ist gefangen in der Lesung. Beim letzten Satz hallt das Gehörte noch nach. Schade, dass man direkt danach einen Hinweis auf die, durchaus wichtigen, Urheberrechte anbringen musste.